Hunderte von Millionen Tonnen Nahrungsmitteln auf einem Planeten zu vernichten,
wo alle fünf Sekunden ein Kind verhungert, ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
(Jean Ziegler)

Lebensmittel retten anstatt wegwerfen

Nach Schätzungen der Welthungerhilfe und der WHO landet etwa ein Drittel aller produzierten Nahrungsmittel auf dem Müll – das sind weltweit jährlich ca. 1,3 Milliarden Tonnen und gleichzeitig hungern fast eine Milliarde Menschen. Täglich verhungern 10.000 Menschen, überwiegend Kinder. Und die Erzeugung der Lebensmittel, die auf dem Müll landen, kostet Energie und Ressourcen und trägt damit zum Klimawandel bei. Wenn wir keine Lebensmittel vergeuden würden, müsste niemand hungern.

Weitere Infos

Auch in Forchheim Stadt und im Landkreis ist dies natürlich ein Thema. Auch hier landen in Lebensmittelgeschäften und Bäckereien jeden Tag Lebensmittel im Müll. Und vermutlich gibt es auch hier Bauern, die Teile ihrer Ernte nicht an (Groß-)Händler verkaufen können, weil sie nach deren Kriterien nur B-Ware ist.

Doch es gibt Initiativen, die sich speziell zu diesem Thema engagieren – hier einige Links:

  • Foodsharing e.V. ist eine Initiative, die sich gegen Lebensmittelverschwendung engagiert: ungewollte und überproduzierte Lebensmittel in privaten Haushalten sowie von kleinen und großen Betrieben werden gerettet.
  • mundraub.org ermöglicht es dir, Fundorte zu kartieren, Aktionen anzulegen und Gruppen zu gründen. mundraub.org schafft Bewusstsein für Regionalität und Saisonalität und will dich motivieren, deine Umgebung kulinarisch wahrzunehmen und zu nutzen.
  • Der LebensMittelPunkt in Höchstadt ist Mittelpunkt  bürgerschaftlichen Engagements. Als Lebensmittelausgabe und Kontakt- und Beratungsstelle dient er als soziale Anlaufstelle für Menschen in der Region, die in Not geraten sind.

Lese-Ecke

  • Das hält sich ja ewig – Sinn und Unsinn des Mindesthaltbarkeitsdatums – Greenpeace präsentiert die Ergebnisse eines Langzeittests
  • Was ist aus der Petition „Containern ist kein Verbrechen“ geworden? Für Infos hier klicken
  • Kein Essen in den Müll! – Kampf der Lebensmittelverschwendung
    von Peter Wöllauer
    ISBN 9783844806359
  • Die Essensvernichter: Warum die Hälfte aller Lebensmittel im Müll landet und wer dafür verantwortlich ist
    von Stefan Kreutzberger
    ISBN 9783462043495
  • Volle Bäuche statt volle Tonnen: Containern gegen Lebensmittelvernichtung – Ein Aktivist klärt auf
    von Walter Christian
    ISBN 9783961560103
  • Nicht alles ist Mist!: Verdorbene Lebensmittel erkennen – Reste verwerten – Geld sparen.
    Das kompakte Anti-Wegwerf-Buch
    von Angelika Kirchmaier

Hier auch noch ein paar Ideen, was jede:r Einzelne:r konkret und aktiv tun kann, um die Lebensmittelvergeudung zu reduzieren:

Wichtig ist die Wertschätzung, die wir Nahrungsmitteln entgegenbringen, denn sie bestimmt entscheidend unser Denken und Handeln. Wer immer nur das Billigste kauft, dem ist Geld offenbar wichtiger als die Qualität dessen, womit er sich ernährt. Was man schätzt, behandelt man achtsam und wirft es nicht leichtfertig fort.

Alles fängt mit dem Einkaufsverhalten an: Wenn man mehr einkauft, als man essen kann, ist die Gefahr groß, dass Lebensmittel im häuslichen Mülleimer landen. Daher: Planen, was man kochen und essen will und entsprechend einkaufen. Sich nicht von Sonderangeboten oder Mengenrabattaktionen beeinflussen lassen.

Wenn wir immer nur das Billigste kaufen, signalisieren wir damit, dass auch uns der monetäre Aspekt wichtiger ist als der ethische.

Resteverwertung ist der nächste Punkt: Wenn man mehr gekocht hat, als gegessen wurde, kann man diese Reste entweder zur nächsten Mahlzeit essen oder als Bestandteil einer neuen Mahlzeit, z.B. einer Suppe verwenden.

Regelmäßig den Inhalt des Kühlschranks (und des Gefrierschranks/der Gefriertruhe) und der sonstigen Vorräte auf Haltbarkeit hin überprüfen – vor allem ganz hinten verstecken sich gerne Dinge, die man dort übersieht, wenn man nicht systematisch nachschaut.

Wer sich umfangreiche Vorräte zulegt, muss auch darauf achten, immer das, was zuerst schlecht zu werden droht, zuerst zu verbrauchen. Das setzt gute Sortierung und einen guten Überblick über das Vorhandene voraus. Ein Tipp dazu: immer am Monatsanfang die Vorräte durchschauen und das, was in diesem Monat abläuft, in die Ecke: „Bevorzugt zu verwenden“ stellen.

In all den Geschäften, in denen man regelmäßig einkauft, nachfragen, wie dort mit dem Thema umgegangen wird und ggf. anregen, die Waren im Preis zu reduzieren oder an den Sozialladen Forchheim, die Tafel oder eine Foodsharing-Initiative abzugeben oder anderweitig zu verschenken.

Wer einen Garten hat, in dem im Sommer mehr Ernte anfällt als man selbst verbrauchen kann, kann diese bei Foodsharing e.V. anderen anbieten.

Wenn vor dem Urlaub der Kühlschrank noch voll ist, kann man auch diese Lebensmittel bei Foodsharing e.V. anbieten

Beim Bauern direkt die sogenannte B-Ware einkaufen

Darüber aufklären, dass auch Waren, deren MHD abgelaufen ist, durchaus noch tadellos sein können. Es heißt schließlich „Mindesthaltbarkeitsdatum“ und nicht „danach ungenießbar und toxisch“.

Online-Petitionen unterschreiben, die sich mit dem Thema beschäftigen – siehe unsere Seite Petitionen unterschreiben

Insgesamt das Thema Lebensmittelvergeudung immer wieder ansprechen und so für einen Bewusstseinswandel sorgen

Weitere Tipps sind immer willkommen.

Ganzheitliche Lösungsstrategien

So wichtig es ist, dass jede:r von uns aktiv gegen Lebensmittelvergeudung vorgeht, so ist es dennoch unverzichtbar, auch auf der politischen und wirtschaftlichen Ebene aktiv zu werden.

Widmen wir uns also diesen verschiedenen Ebenen, wobei sich diese Ebenen nicht wirklich trennen lassen:

Politische Ebene

  • In Frankreich ist es Lebensmittelhändlern verboten, noch essbare Lebensmittel in den Müll zu tun, sie müssen verschenkt werden. Dafür bekommen die Händler von Staat einen finanziellen Zuschuss. Warum sollte dies in Deutschland nicht möglich sein? Es gibt eine entsprechende Online-Petition von Weact, die genau dies fordert – hier der Link, um diese Forderung zu unterstützen.
  • Auch die Haftungsfrage ist von Relevanz, siehe folgende Online-Petition: Link
  • Das Retten von Lebensmitteln aus den Mülltonnen der Supermärkte, das so genannte Containern, ist nach deutschem Recht strafbar, wie das Bundesverfassungsgericht kürzlich (08/2020) feststellte. Das widerspricht dem gesunden Menschenverstand und daher sollte dieses Recht dringend geändert werden. Auch in diesem Punkt gibt es eine Online-Petition (Link)

Wirtschaftliche Ebene

Hier wäre es wichtig, darauf hinzuwirken, dass nicht immer monetäre Gesichtspunkte im Vordergrund stehen, sondern dass beispielsweise aus Obst- und Gemüse-Packungen, in denen ein Teil schlecht geworden ist, dieses auszusortiert und der Rest verkauft wird. Auch sollte der Anspruch, dass alle Regale bis zum Ladenschluss immer mit frischen Waren voll belegt sein müssen, überdacht werden. Aber es gibt auch bereits gute Ansätze, die sich einfach breiter durchsetzen müssten, z.B.

  • Lebensmittel, deren MHD kurz vor dem Ablaufen ist, werden im Preis reduziert
  • Lebensmittel, die nicht mehr ganz frisch oder aus sonstigen Gründen nicht verkäuflich sind, werden an die Tafeln oder andere Food-Sharing-Organisationen verschenkt
  • Es gibt Unternehmen wie z.B. die „Rübenretter“oder „etepetete“ die das Obst und Gemüse vom Erzeuger kaufen, welches die Anforderungen der Supermärkte nicht erfüllt und dies dann günstig an Verbraucher weiterverkaufen
  • In 79379 Müllheim gibt es das Edeka-Geschäft Hieper, das im Kassenbereich ein Regal „Zu gut für die Tonne“ hat, wo die Lebensmittel, die sonst in den Müll kämen, verschenkt werden.

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